[Rezension] Himmelsfern

Himmelsfern - Jennifer Benkau
 
Jennifer Benkau
Himmelsfern
Script5
18,95 €
ISBN 978-3-8390-0143-1
1. Auflage 16. September 2013
496 Seiten
Gebunden
 
 


 

 

INHALT

 
Nachdem Noa bei einem Zugunglück von einem Unbekannten gerettet wurde, begibt sie sich auf die Suche nach ihrem Schutzengel. Dass sie dabei zwischen die Fronten zweier seit Jahrhunderten verfeindeter Fraktionen gerät, kann sie nicht ahnen. Und dass sie dabei ihre erste große Liebe kennen lernt, auch nicht. 
 
"Wenn schlimme Dinge passieren, verzerrt sich oft das, was man für die Realität hält, und das Unterbewusstsein pflanzt einem akzeptable Fantasien in den Kopf. Wahrheit? Indiskutabel. 
Als ich meinen Bruder damals leblos in seiner Wiege vorfand, war es genauso gewesen. Ich sah den unnatürlichen Graustich in seinem Gesichtchen und für einen Sekundenbruchteil war es ganz deutlich. Unter der wächsernen Haut regte sich kein Leben mehr.
Mein Gehirn ließ den Gedanken allerdings nicht zu, sondern sagte: Er schläft doch nur, er schläft nur! So lange, bis ich die Worte schrie. Stundenlang."
S. 11
 
 
MEINE MEINUNG
 
Ich denke, mit "Himmelsfern" habe ich nicht das Glanzstück von Jennifer Benkau erwischt. Sehr ärgerlich, dass es für mich das erste Buch von der Autorin war, mit "Dark Canopy" wäre ich vielleicht zufriedener gewesen.
Aber ich berichte einfach mal der Reihe nach, was mir an dem Buch gefallen und was mir missfallen hat.

Zu Beginn dachte ich "Oha, Standard-Jugendbuch. Unscheinbares Mädchen trifft scheinbar übernatürlichen Kerl!". Doch dann hat Jennifer Benkau mich mit einigen Wendungen wirklich überrascht, die meine anfängliche Skepsis schnell erstickten. Also ein wirklich guter Einstieg.

Leider hielt sich das Niveau nicht und irgendwann driftete es doch etwas auf die Standard-Jugendbuch-Schiene ab. Damit hätte ich sogar leben können, wenn die Story in sich plausibel gewesen wäre. Aber jetzt kommt der große Minuspunkt für mich: Ich konnte vieles nicht nachvollziehen. Ich habe bis zum Schluss nicht verstanden, warum die Charaktere so handeln, wie sie handeln, wie dieser ganze Konflikt, der im Mittelpunkt steht, überhaupt erst entstehen konnte.
Klar, irgendwas Spannendes musste ja noch mit rein, aber das wirkte so flach und an den Haaren herbeigezogen auf mich. Ich würde gerne weiter ins Detail gehen, aber dann würde ich leider spoilern und das will ich ungerne tun.
Halten wir einfach fest: Die Geschichte und das ganze Grundkonstrukt konnten mich nicht überzeugen.

Die Handlung war mir teilweise etwas zu lang gezogen. Einerseits fand ich es gut, dass den Charakteren Zeit gegeben wurde, sich zu entwickeln (sonst hätte vieles sehr unplausibel gewirkt), andererseits war es stellenweise doch etwas fad.

Die Charaktere haben mir dagegen zum Großteil recht gut gefallen. Bei einigen hatte ich aber leider das Gefühl, dass sie noch etwas blass blieben und ich sie eigentlich nur oberflächlich kennen gelernt habe.
Noa als Hauptcharakter ist zum einen recht stereotyp, doch auf der anderen Seite sticht sie wieder aus der Masse an Hauptcharakteren heraus. Ich mochte ihre Einstellungen, sie hatte wirklich Charakter. Da kann ich ihr das "ich bin ein unscheinbares Mädchen" verzeihen.
Mit Marlon, unserem zweiten Hauptcharakter, konnte ich nie richtig warm werden. Er hatte durchaus seine Macken, aber dennoch wirkte er irgendwie glatt auf mich, die Macken so aufgesetzt, nur damit er überhaupt welche hatte. Also einen bleibenden Eindruck wird Marlon bei mir nicht hinterlassen.
Toll fand ich zum Beispiel Noas Vater, Dominik und ihre Großmutter. Die hatten nur wenig Platz und waren trotzdem sehr lebendig.

Der Schreibstil von Jennifer Benkau gefiel mir wirklich gut, das ist auch ein Grund, warum ich ihr auf jeden Fall nochmal eine Chance geben möchte. Beispiele dafür findet ihr ja in den Zitaten.

Grundsätzlich kann ich sagen, dass mir der Anfang des Buches besser gefiel als das Ende. Ab dem Mittelteil hat die Qualität der Geschichte für mich doch stark abgenommen. 
 
"Ein Junge, ungefähr in meinem Alter, hockte dicht neben der Löwenstatue auf der Umrandung des Brunnens und fesselte meine Aufmerksamkeit. Was machte er da? Es sah aus, als tastete er unser Stadtwahrzeichen ab, so wie ein Tierarzt eine betäubte Großkatze nach Verletzungen absucht. Ich ging langsamer. Wonach mochte er suchen? Seine Lippen bewegten sich minimal, er schien mit sich selbst zu reden, denn es war niemand in der Nähe. Die Augen hatte er geschlossen, als koste ihn das, was er tat, viel Konzentration."
S. 25
 

 

FAZIT

 
Alles in allem würde ich das Buch mit dem Begriff "nettes Buch im Jugendfantasybereich" zusammenfassen. Angenehm zu lesen, teilweise sehr witzig, eine Liebesgeschichte, ein bisschen Fantasy und ein Grundkonstrukt, das man nicht zu sehr hinterfragen sollte.